Abbau des Kitzinger Trimm-Dich-Pfades – vom deutlichen Unverständnis zum besseren Verständnis
Als ich zum ersten mal vom Abbau des Trimm-Dich-Pfades im Kitzinger Tännig erfahren habe, war mein erster Gedanke ehrlich und spontan: Jetzt übertreibt es die Stadtverwaltung aber wirklich.
Ein kostenloses, frei zugängliches Bewegungsangebot im Wald – genau das, was man sich wünscht, wenn über Gesundheitsförderung, Prävention und Lebensqualität gesprochen wird.
Diese erste Reaktion ist nachvollziehbar. Ein Trimm-Dich-Pfad steht sinnbildlich für niedrigschwelligen Sport, für Bewegung ohne Mitgliedschaft oder Eintritt, für Angebote, die allen offenstehen. Ihn abzubauen wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschritt – gerade in einer Zeit, in der Bewegungsmangel und Gesundheitskosten zunehmen.
Nach dieser ersten Emotion habe ich bewusst einen Schritt zurück gemacht und versucht, die Entscheidung des Stadtrates sachlich einzuordnen. Denn genau das sollte Kommunalpolitik leisten – und auch von denjenigen erwartet werden, die sie kritisch begleiten.
Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass ein Trimm-Dich-Pfad weit mehr ist als eine Reihe von Sportgeräten im Wald. Er bringt erhebliche Pflichten mit sich. Die Stadt trägt die Verantwortung für die Verkehrssicherheit, für regelmäßige Kontrollen und für die Haftung im Schadensfall. Gerade im Wald, wo Feuchtigkeit, Witterung und natürlicher Verschleiß dauerhaft wirken, ist diese Verantwortung nicht trivial.
Viele der Geräte im Tännig waren inzwischen deutlich gealtert. Eine Sanierung oder ein vollständiger Ersatz hätte nicht nur erhebliche finanzielle Mittel erfordert, sondern auch langfristige Verpflichtungen für Wartung, Prüfungen und Haftung nach sich gezogen. Das sind Aspekte, die in der öffentlichen Diskussion häufig ausgeblendet werden, für eine Kommune aber entscheidend sind.
Sicherheit ist in diesem Zusammenhang kein vorgeschobenes Argument, sondern eine reale Verpflichtung. Kommt es zu einem Unfall, liegt die Verantwortung nicht beim Nutzer, sondern bei der Stadt. Diese Haftungsfragen lassen sich nicht ignorieren, auch wenn der Wunsch nach Erhalt eines beliebten Angebots verständlich ist.
Vor diesem Hintergrund halte ich die Entscheidung des Stadtrates inzwischen für nachvollziehbar. Nicht, weil Bewegung oder öffentliche Sportangebote an Bedeutung verlieren würden – im Gegenteil. Sondern weil verantwortungsvolle Kommunalpolitik immer auch bedeutet, Nutzen, Kosten und Risiken gegeneinander abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragfähig sind.
Der Abbau des Trimm-Dich-Pfades zeigt exemplarisch, wie schwierig kommunale Entscheidungen oft sind. Sie sind selten schwarz oder weiß, selten eindeutig populär und häufig erklärungsbedürftig. Gute Politik misst sich nicht daran, ob sie kurzfristig Beifall erhält, sondern daran, ob sie verantwortungsvoll und begründbar ist.
Mein erster Gedanke war deutliches Unverständnis. Nach genauerer Auseinandersetzung ist daraus Verständnis geworden. Genau diesen Weg – vom Impuls zur Einordnung – halte ich für wichtig. Für politische Entscheidungen ebenso wie für die öffentliche Diskussion darüber.

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