Kitzingen kann mehr – Zeit für einen neuen Kurs
Meine Entscheidung für das Amt des Kitzinger Oberbürgermeisters
Kitzingen steht an einem wichtigen Punkt seiner Entwicklung. Viele Bürgerinnen und Bürger spüren, dass unsere Stadt großes Potenzial hat – gleichzeitig bleibt sie in einigen Bereichen deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Themen wie Innenstadtentwicklung, Mobilität oder wirtschaftliche Impulse werden seit Jahren diskutiert, ohne dass der große Durchbruch gelingt.
In den letzten Wochen habe ich zahlreiche Gespräche geführt – mit Bürgerinnen und Bürgern, Einzelhändlern, Gastronomen und politisch Engagierten. Immer wieder wurde deutlich: Viele Menschen wünschen sich, dass Dinge wieder entschlossener in die Hand genommen werden. Einige Gedanken dazu möchte ich hier offen teilen.
Wahlentscheidung ohne Scheuklappen
Grundsätzlich ist nichts falsch daran, den eigenen Wunsch-Oberbürgermeisterkandidaten zu unterstützen. Problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn diese Unterstützung auf einfachen Schlagworten oder persönlichen Angriffen basiert. Die Floskel „Ich will einen Kitzinger für Kitzingen“ greift dabei ebenso zu kurz wie Sprüche unter der Gürtellinie.
Sie lenkt den Blick weg von Qualifikation und Zukunftskompetenz hin zur reinen Herkunft. Dahinter steht häufig die Haltung, lieber im Vertrauten zu bleiben, statt Neues zuzulassen. Wenn frisch gewählte Stadträte oder Unterstützer mit solchen Parolen argumentieren, wird das dem Anspruch dieses Amtes in keiner Weise gerecht.
Ich kenne und schätze den amtierenden Oberbürgermeister sehr. Sein Einsatz für unsere Stadt steht außer Frage. Nach dieser Logik müsste ich eigentlich für ihn stimmen. Genau daran zeigt sich aber das eigentliche Problem: Es sollte nicht entscheidend sein, wen wir persönlich kennen oder mögen, sondern wem wir zutrauen, Kitzingen in den nächsten Jahren entschieden weiterzuentwickeln und die richtigen Weichenstellungen zu treffen.
Wo Kitzingen besser werden muss
Kitzingen ist keine schlechte Stadt. Aber in vielen Bereichen besteht deutliches Verbesserungspotenzial – etwa bei der Mobilität, in der schwächelnden Innenstadt oder in Stadtteilen, die sich seit Jahren etwas alleingelassen fühlen.
Die negative Entwicklung hat lange vor dem Amtsantritt des aktuellen Oberbürgermeisters begonnen. Häufig wird der Wegzug der amerikanischen Streitkräfte als Erklärung für die wirtschaftliche Entwicklung der Innenstadt herangezogen. Das war zweifellos ein Einschnitt. Aber man kann sich nicht jahrzehntelang auf dieser Erklärung ausruhen. Irgendwann muss man aktiv gegensteuern und neue Impulse setzen.
In den vergangenen Jahren wurden neben guten Entscheidungen leider auch problematische getroffen. Ein Beispiel ist die Entwicklung der Marshall Heights: Die Stadt hat zu lange gezögert, bis ein privater Investor den Mut hatte, das Projekt anzupacken. Beim Haus für Jugend und Familie sind die Kosten aufgrund ungenauer Planung und fehlendem Kostencontrolling deutlich aus dem Ruder gelaufen – am Ende standen rund 4 Millionen Euro Mehrkosten. Ich erspare mir hier eine Auflistung dessen, was mit diesem Geld alles möglich gewesen wäre.
Auch beim Hochwasserschutz ist seit dem Ereignis 2024 baulich kaum etwas passiert. Ein Gutachten auf dem Schreibtisch hält keine Wassermassen zurück – das haben viele Betroffene entlang der betroffenen Bäche schmerzlich erlebt. Aus der Bürgerschaft kommen viele gute und realistische Ideen. Nach meinem Eindruck werden sie im Rathaus jedoch häufig nicht ernsthaft genug aufgenommen.
Innenstadt, Mobilität und Wirtschaft neu denken
Mit vielen Einzelhändlern habe ich über den geplanten Umbau von Kaiserstraße und Königsplatz gesprochen. Natürlich wünschen sich alle eine moderne, attraktive Innenstadt. Aber nicht mit einem Plan, der die Händler über vier Jahre Bauzeit hinweg wirtschaftlich massiv belastet. Hier muss gelten: erst die Betroffenen ins Boot holen, dann entscheiden.
Auch beim Thema Mobilität wurden Chancen nicht ausreichend genutzt. Ein Stadtbus wurde bislang wohl auch deshalb nicht eingerichtet, weil er auf dem Papier keine schwarzen Zahlen schreiben würde. Dabei übersieht man den indirekten wirtschaftlichen Nutzen: Ein funktionierender Stadtbus bringt Menschen aus den Stadtteilen in die Innenstadt und damit dringend benötigte Kaufkraft.
Diese Kaufkraft landet in unseren Geschäften, in der Gastronomie und bei Dienstleistern. Über Gewerbesteuer fließt ein Teil davon wieder in die Stadtkasse. Geld, das in den vergangenen Jahren in umliegenden Städten ausgegeben wurde, könnte so unserer eigenen Wirtschaft zugutekommen.
Ein guter Stadtbus kann noch mehr bewirken: Wenn Menschen einfach und bequem in die Innenstadt kommen, wird diese auch wieder attraktiver für neue Geschäfte, Gründer und Gastronomie. Denn eigentlich wünschen sich viele genau das, was Kitzingen ausmacht: eine fränkische Brotzeit, einen Schoppen Wein oder gut bürgerlich essen zu gehen. Das kann wieder stärker Realität werden – wenn die Rahmenbedingungen für Gastronomen und mutige Gründer stimmen.
Das wiederum stärkt den Tourismus und bringt zusätzliche Kaufkraft von außen in unsere Stadt.
Es geht um Führung und Zusammenarbeit
Mir ist eines wichtig: Ich kreide niemandem an, dass Fehler passieren. Fehler gehören zu fast jeder Entscheidung dazu. Aber wenn sich dieselben Fehler immer wieder wiederholen, läuft etwas grundsätzlich in die falsche Richtung.
Genau deshalb ist aus meiner Sicht jetzt die Zeit für einen echten Wandel gekommen. 55 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben am 8. März gezeigt, dass sie sich Veränderung wünschen. Schaut man sich die Entwicklung unserer Stadt nüchtern an, ist diese Veränderung auch dringend notwendig.
Das Landratsamt mit Tamara Bischof an der Spitze zeigt seit vielen Jahren, wie effiziente Führung und ein stabiler Umgang mit Finanzen funktionieren können. Der Landkreis braucht eine starke große Kreisstadt – und die große Kreisstadt braucht einen starken Landkreis. Diese Zusammenarbeit muss auf Augenhöhe funktionieren. In den letzten Jahren war das aus meiner Sicht nicht immer in dem Maße der Fall, wie es für unsere Region nötig wäre.
Jetzt braucht es einen echten Aufbruch: Scheuklappen ablegen, die großen Themen im Gesamtbild betrachten und klare Prioritäten setzen.
Was es dazu braucht, ist aus meiner Sicht:
- eine ehrliche Analyse der aktuellen Situation
- einen dauerhaften, ernst gemeinten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern
- eine klare Priorisierung der wichtigsten Projekte
- und vor allem eine saubere, langfristige Finanzplanung, die Vision und Realität zusammenbringt
Warum ich Dr. Enis Tiz wähle
Enis Tiz – ein junger, motivierter und promovierter Baujurist sowie angehender Notfallseelsorger – bringt dafür aus meiner Sicht wichtige Voraussetzungen mit: Fachwissen, Verwaltungserfahrung und den klaren Willen, Verantwortung zu übernehmen.
Ein Oberbürgermeister muss vor allem führen können. Genau das hat Enis in den letzten zwei Jahren im Landratsamt gezeigt. Auch im Wahlkampf hat er bewiesen, wie man ein sehr unterschiedliches Team strukturiert, zusammenhält und auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet. Nicht zuletzt ist es auch seiner Führung zu verdanken, dass die FW-FBW bei der Stadtratswahl ihre internen Ziele mit Bravour erreicht hat.
Darüber hinaus besitzt er eine Fähigkeit, die nur wenige wirklich gut beherrschen: offen auf Menschen zuzugehen, ihre Sorgen ernsthaft anzuhören und gemeinsam Lösungen zu suchen. Enis ist in vielen Vereinen aktiv und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine starke Unterstützung des Ehrenamts für eine funktionierende Stadtgesellschaft ist. Vereine sind das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Lebens – sie brauchen eine Verwaltung, die ihnen den Rücken stärkt.
Als Verwaltungsjurist im Bereich Sicherheit und Ordnung kennt er die Herausforderungen im Bevölkerungsschutz und in der kommunalen Daseinsvorsorge sehr genau. Er weiß, welche Verantwortung dort getragen wird und welche organisatorischen Strukturen nötig sind, damit unsere Einsatz- und Hilfskräfte ihre wichtige Arbeit leisten können. Mit einer starken und gut organisierten Verwaltung wird er diese Bereiche auch künftig aktiv unterstützen.
Für einen fairen Wettbewerb der Ideen
Zum Schluss noch etwas Persönliches: Mich hat auch Sirin Sait-Keles, die frisch gewählte Stadträtin der SPD, in den letzten Wochen sehr beeindruckt. Ich bin überzeugt, dass sie den neuen Stadtrat aufmischen wird - im positiven Sinne.
Mein Wunsch ist: Unterstützt euren Kandidaten mit dem, was er kann und wofür er steht. Kritisiert politische Gegner gern sachlich – aber hört auf, ihn persönlich anzugreifen.
Demokratie ist kein Krieg. Sie ist ein Wettbewerb der besten Ideen, Konzepte und Persönlichkeiten.
Am Ende sollte nicht entscheidend sein, wo jemand herkommt, sondern ob wir ihm zutrauen, unsere Stadt verantwortungsvoll in die Zukunft zu führen.
Deshalb geht meine Stimme klar und eindeutig an Dr. Enis Tiz.
Mark Kraus @ceonaut

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Wolfram Beha (Montag, 16 März 2026 10:09)
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Hermann Queck (Mittwoch, 18 März 2026 08:13)
Mark, du hast die Situation von Kitzingen sehr gut beschrieben.
Winni Schwab (Samstag, 21 März 2026 13:43)
Genau so ist es.